Und dann kommt erst mal lange nichts…
Genau.
Was schreib ich nur? Fühle mich wie Faust im dunklen Arbeitszimmer an seinem Schreibtisch: “Habe nun, ach! …” und so weiter…
Nur mit dem Unterschied, dass sich über mir kein hohes gotisches Gewölbe befindet und viel Ruhe und Kontemplation zum Wortspinnen, sondern vor mir ein weißer Bildschirm. Begierig wartet er darauf, mit Content gefüllt zu werden. Will sagen, mit persönlichen Inhalten und Beobachtungen, die ich in meinem Dasein als Texter Praktikantin in einer Dialog Marketing Agentur mache. Und zwar in einer der bestens landaus, landein, wie ich mir habe sagen lassen. Sonst wäre ich ja nicht hier. Ich liebe die Herausforderung. “Ich habe die schwierigste Aufgabe des ganzen Teams” rufe ich in die Runde und ernte lautes Lachen!
… Tja, und weiter im Text: “… Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel – …” – darum sitze ich hier.
Meine Frage: Was macht einen guten Texter aus? Kommt es darauf an, Fakten aneinander zu reihen? Sie übersichtlich und logisch zu ordnen? Oder geht es um Geschichten erzählen, den freien Raum des Ungewissen mit Leben zu füllen und daraus eine echte Story zu weben? Nichts Handfestes habe ich, nichts woran ich mich festhalten kann…
Also packe ich erstmal meine Kamera und gehe vor die Tür auf der Suche nach Geschichte. Am besten erstmal der Geschichte des Prinz Geländes.
Ein etwa dreijähriges Mädchen steht am Fenster und beobachtet mich. Was die wohl macht? Was gibt’s denn da so Interessantes? Dann stellen sich auch noch der Vater und die kleine Schwester dazu. Geradezu stoisch stehen sie da und schauen raus. Und ich mache meine Bilder. Mit der Kamera und im Kopf.

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Ein Relikt der textilen Vergangenheit kommt mir da gerade recht – Appretur: Stoffe veredeln und entsprechend ausrüsten. Sollte nicht gerade das auch meine Kernkompetenz sein?
Und die Voraussetzung dafür?
Erst mal die Grund-Erkenntnis, nichts zu wissen. Dann Fragen stellen und infrage stellen, Standpunkt ändern. Antworten suchen aus Hunger und Durst nach Lösungen. Lösungen, die für Auftraggeber und Über-Setzer gleichermaßen tragbar sind. So fühlen sich beide Seiten am Ende wohl.
Mal sehen, wohin die Reise geht…

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