Die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus! Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt, so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.” (und wer’s ganz genau wissen will: das ist von Emanuel Geibel 1841)
Der Wonnemonat: Wer weiß heute eigentlich noch, dass sich der Begriff herleitet aus dem althochdeutschen Begriff “wunnimanoth”? Das Wort steht schon in Karls des Großen Monatsliste.
Im “Weidemond” wurde nämlich das Vieh auf die Weide getrieben. Im Lauf der Zeit entstand daraus aber der romantische “Wonnemonat” Mai. Ganz falsch.
Manche moderne Kuh – eingepfercht in ihrem engen Stall – wird sich sehnlichst in diese Zeit wünschen, wenn sie es nur könnte. Da durfte man noch Tier sein und nicht nur ein Teil der mehr oder weniger beschönigenden Bezeichnung “Landlose Tierproduktion” der modernen Massentierhaltung.
Schade um das Verschwinden von diesen ausdrucksstarken, plastischen und sinnlichen Wörtern … Denn wenn Wörter sterben, ist immer auch unser Leben davon betroffen. Gebräuche und Sitten vergangener Zeiten verschwinden und dieser Prozess vollzieht sich schleichend.
Ich fände es zum Beispiel wunderbar, das wäre abänderlich. Aber leider ist es wohl unabänderlich. Wahrscheinlich nur so ein Zopfgedanke von mir, eine altmodische, rückwärts gewandte Einstellung.
Dabei gehe ich doch ganz zornlos vor! Ohne Leidenschaft und ganz sanft erlaube ich mir, einen Blick auf das Verschwinden mannigfaltiger Ausdrucksformen zu werfen.
Die aufklärerischen Zeiten, als sich “Europas Bildung mit einem Adlerschwunge erhob”, sind wohl auch vorbei. Alldieweil überlege ich mir gleichwohl, ob ich mich am Sonntag mit meinen Freunden zu einem Gabelfrühstück, also zum Brunchen! treffe. Das klappt aber nur, wenn ich, die ich doch manchmal eine Fahrmaus – ein Mensch mit zuweilen unstetigem Wesen – bin, nicht doch lieber dahausen sitze. Da tu ich’s einfach Goethe gleich, der sagt: “es ist eine herrliche Empfindung dahausen im Feld allein zu sitzen”.
Mal sehen, wie das Wetter wird …